In Palästina ist nicht nur der Wohnraum für die Mittelschicht knapp. Auflagen bei Bauvorhaben durch die israelischen Besatzer und die stets unsichere Rechtslage bei Besitzansprüchen verhindern meist größere Investitionen. In optisch auffälliger Anlehnung an die israelischen Siedlungen hat sich der palästinensische Unternehmer Bashar Masri dennoch zur ersten Stadtgründung in Palästina überhaupt entschieden und baut mit Hilfe von Investmentfirmen aus Katar nördlich von Ramallah eine Stadt für 40.000 Einwohner. Die integrierte, ebenfalls entlang der Höhenlinien verlaufende Anlage aus architektonisch homogenen Wohnblocks besitzt ein eigenes Stadtparlament, Amphitheater und Shopping Malls. Das Unternehmen ist riskant: Das Bauland liegt zwar in Zone A und unterliegt damit der Aufsicht der palästinensischen Autonomiebehörde, Zufahrtsstraßen jedoch liegen in der israelisch kontrollierten Zone C. Der Name der neuen Siedlung „Rawabi“ bedeutet „Hügel“, eine auch symbolische Besetzung der Aus- und Übersicht gewährenden Höhenzüge der Westbank.