Das Mittelmeer ist auch architektonisch eine Region der Gegensätze: Hier die temporär wuchernde lokale „Architektur ohne Architekten“ in den verschiedenen Lagern und Camps rund ums Mittelmeer, dort der auf Langzeitwirkung spekulierende Entwurf der internationalen Stararchitekten. Von Letzteren versprechen sich Städte und Kommunen einen Imagegewinn und touristische Attraktivität und das lässt sich mit repräsentativer Veranstaltungsarchitektur westlicher Prägung, mit Theatern, Opernhäusern und Museen natürlich leichter erreichen als mit sozialem Wohnungsbau. Der „Bilbao-Effekt“ lässt grüßen. Zaha Hadid wird auf der Brache am Bou-Regreg zwischen Rabat und Salé ein neues Nationaltheater für die Marokkaner errichten (#99), Santiago Calatravas „Stadt der Künste und Wissenschaften“ in Valencia wurde nach zehnjähriger Bauzeit mit der Eröffnung des Opernhauses 2006 abgeschlossen und Herzog & de Meurons „Forum“ wurde für das Internationale Forum der Kulturen in Barcelona 2004 entworfen. Beide spanischen Großprojekte haben die Baukosten um ein vielfaches überstiegen und kämpfen aktuell angesichts der Wirtschaftskrise ums finanzielle Überleben. Bei Eintrittspreisen von über 30€ für die Ausstellungen in Valencia können sich große Teile der lokalen Bevölkerung den Besuch ohnehin kaum leisten. Die Veranstalter des Forums hatten 2004 mit 25 Millionen Besuchern gerechnet, gekommen waren weniger als 3,5 Millionen.